Albert Wunsch:
Abschied von der
Spaßpädagogik
Für einen Kurswechsel in der Erziehung
Kösel
2003
„Da
der gesellschaftliche Trend für Partnerschaftskrisen die Trennung vorsieht,
gehen zu viele mit ihm. Als die amerikanische Scheidungsforscherin Judith Wallerstein
vor einigen Jahren in einem Buch ausführlicher über die riefen seelischen
Verletzungen von Scheidungskindern berichtete und herausstellte, eine Scheidung
sei nicht mit einer akuten Grippe, sondern eher mit einem folgenschweren
Schlaganfall zu vergleichen, wurde sie besonders von Frauenverbänden scharf
attackiert. Und der englischen Entwicklungspsychologin Penelope Leach ging es
mit ihrem Buch Children First
genauso: „Zuerst die Kinder war früher eine Selbstverständlichkeit, doch mit
der Emanzipation und der weiblichen Suche nach Selbstverwirklichung rutschten
die Kinder langsam, aber stetig auf den Rücksitz.“
(Seite
40)
„Ein
näherer Blick auf die Folgen von Beziehungsproblemen zeigt: Die Scheidungsrate
ist bei Paaren, in denen ein Partner aus einem geschiedenen Elternhaus kommt,
doppelt so hoch als bei Paaren aus nicht geschiedenen Elternhäusern. Stammen
beide Partner aus einem geschiedenen Elternhaus, verdoppelt sich der
Prozentsatz nochmals. Unabhängig von diesen Spätwirkungen brauchen Kinder durchschnittlich
ca. sechs Jahre, um die Scheidung ihrer Eltern halbwegs zu verkraften, so eine
Untersuchung aus dem Jahre 2001. Auf die Trennung der Eltern reagiert jedes
fünfte Kind mit Sprachstörungen, Hautausschlag oder Magen-Darm-Störungen. Jedes
Tauziehen um die Gunst des Kindes hinterlässt nicht nur kräftige Blessuren,
sondern vergrößert auch den Schaden in der späteren Beziehungsfähigkeit.
Verlustängste begleiten Scheidungskinder ein Leben lang.“
(Seite
39)
„ Nachdenkenswertes: Aphorismen von
Ost nach West “
„Als
unsere Ahnen in der Welt wieder die leuchtenden Tugenden erstrahlen lassen
wollten, ordneten sie zuerst ihren Staat.
Weil
sie aber den Staat in Ordnung bringen wollten, ordneten sie zuerst die
Familien.
Weil
sie ihre Familien ordnen wollten, versuchten sie zuerst einmal den einzelnen
Menschen zu bessern.
Und
weil sie den Menschen bessern wollten, fingen sie mit seinem Herz an.
Um
das zu tun läuterten sie zuerst seine Gedanken, um so auch seinen Blick zu
ändern.
Werden
aber erst einmal negative Gedanken und die Ich-Bezogenheit aufgegeben, wird
auch der Mensch besser.
Ist
der Mensch fehlerfreier, verbessert sich auch das Leben in der Familie.
Hat
die Familie eine gute Lebensbasis, bringt dies auch den Staat in Ordnung.
Vom
Sohn des Himmels angefangen bis zum letzten Untertan seines Volkes gilt das
gleiche Prinzip: Fange mit der Verbesserung der Welt bei dir selber an.“
(Aus China)